Kurz vor Weihnachten erbrachte das Einsatzteam der SUST in Ägypten eine Woche lang Höchstleistungen. Der Dank der Tierheimleiterin und Gründerin des Bluemoon Animal Centers in Hurghada, Monique Carrera Gad el Karem kam nach dem einwöchigen SUST aus tiefstem Herzen: „Ich bin hellbegeistert, ein derart fachkundiges Tierschutz-Team hier im Einsatz zu haben. Diese Frauen leisteten einen harmonischen 150%-igen Einsatz. Wir alle haben – wie bei jedem Einsatz der SUST – wieder viel gelernt, viel gearbeitet und es ist für mich immer wieder eine enorme Bereicherung ein derart gut zusammen spielendes Team bei uns im Tierheim zu haben, das effizient hilft – denn Hilfe haben wir nötig: Immer und immer wieder! Tausend, tausend Dank – es sollte mehr solche Leute geben!“
Neben der Behandlung der Tierheimtiere und vieler Strassentiere, stand die Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal ganz oben auf der Aufgabenliste des Profi-Teams aus der Schweiz. Der ägyptische Tierheim-Tierarzt Dr. Mägdi konnte in früheren SUST-Einsätzen durch die Schweizer Tierärzte Dr. Markus Trächsel, Dr. Werner Haas und Dr. Claire Inderbinen bereits erlernen, Kätzinnen und Kater selbständig zu kastrieren und bei der Kastration von Hündinnen zu assistieren. Nach dieser Ausbildungswoche kann er nun zusätzlich neue und sehr wichtige Aufgaben- und Tierschutzgebiete im ägyptischen Tierheim übernehmen: „After this week I feel very happy: I learned a lot from all the swiss vets in preparation of surgery, suturing, becoming faster in my techniques. And I hope that the Susy Utzinger Foundation for Animal Wellfare will repeat actions like this – this is important for me to learn more and more and to help more and more for the animal protection work here in Egypt. I learned different ways in female dog castration. And I learned to castrate female dogs by myself – I do this now for my first times. I learned also how to collect blood samples – especially in cats it was a problem for me. Also how to use needle catheters intravenous for dog this is new and very important for me. »
Übersetzung: Dr. Mägdy: „Nach dieser Woche fühle ich mich sehr glücklich: Ich lernte viel von den Schweizer Tierärztinnen in Bezug auf die Operationsvorbereitung, Operationstechniken und ich wurde auch schneller in der Arbeit. Ich hoffe, dass die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz Einsätze wie diesen wiederhole wird – es ist für mich sehr wichtig, immer mehr zu lernen und so auch immer mehr im ägyptischen Tierschutz helfen zu können. Ich lernte in dieser Woche verschiedene Techniken für die Kastrationen von Hündinnen. Und ich lernte, Hündinnen selbständig zu kastrieren – ich tue dies nun zum ersten Mal selbständig. Ebenso konnte ich erlernen, Blutproben zu nehmen – besonders bei Katzen war dies für mich ein grosses Problem. Ich benutze nun auch Venen-Katheter für die Operationen von Hunden, das ist für mich neu und sehr wichtig.“
Diese Ausbildungsarbeit war auch für die Schweizer Tierärzte des SUST-Teams bereichernd. Tierärztin Janina Werner: „Es war eine neue Erfahrung für mich, einen Tierarzt-Kollegen auszubilden. Es war toll zu sehen, wie viel wir unseren ägyptischen Kollegen von unseren Kenntnissen vermitteln konnten.“
Die Ausbildung von Fachpersonal vor Ort ist eine Investition in die Tierschutzzukunft. Tierärztin Katharina Staub: „Ich setze gerne meine Zeit, Kraft und Fachkenntnisse ein für Projekte, die Hilfe zur Selbsthilfe direkt vor Ort leisten. Natürlich finde ich es auch schön, einzelnen Tieren zu helfen – aber wir müssen eine Generation weiterdenken: Ohne die Kastration von Strassentieren würde unsere ganze Einsatzarbeit hier vor Ort buchstäblich im Sand versinken. Es ist schön, als Tierärztin Tiere zu lieben und ihnen so direkt helfen zu können. So bin ich in der Lage, nicht nur Kritik zu üben, sondern direkt zu helfen. Mit der Ausbildung von Tierärzten hier in Ägypten legen wir den Grundstein für die seriöse Tierschutz-Arbeit.“
Ausrangierte Arbeitsesel
Seit Neustem gelangen immer wieder Arbeits-Esel ins Bluemoon Animal Center. Die Tierheimleiterin Monique Carrera Gad el Karem ist dabei, eine Auffangstation für solche „ausrangierten“ Arbeitsesel zu gründen und empfängt fast täglich neue Tiere in teilweise schrecklichem Zustand. Diese Esel wurden in dieser Einsatzwoche durch das SUST-Team gegen Parasiten behandelt, kastriert, die Zähne wurden geschliffen, Wunden wurden behandelt und Tränenkanäle gespült. Dabei wurde das Tierheimpersonal in Esel-Pflege und –Umgang geschult und der Tierheimtierarzt wurde in Esel-Behandlung und Esel-Kastrationen ausgebildet. Die mitgereiste Grosstierärztin Dr. Michelle Jackson konnte nach dieser harten Arbeitswoche einen erfreulichen Schluss ziehen: „Es ist wunderbar zu sehen, wie total unterschiedliche Menschen perfekt miteinander zusammen arbeiten können: Das Team vor Ort sowie das SUST-Einsatzteam harmonierte perfekt und arbeitete hart – alle haben das gleiche Ziel: Das Wohl der Tiere.“
Rapport Einsatzwoche Bluemoon Animal Center, Dezember 2009
Während dieser Einsatz-Woche hat das SUST-Team viel erreicht:
- Der ägyptische Tierheim-Tierarzt wurde unter anderem auf den Gebieten der Hündinnen-, Rüden- und Eselkastration intensiv weitergebildet.
- Ausserdem wurden unter Feldbedingungen
17 Kätzinnen kastriert (und behandelt)
9 Kater kastriert (und behandelt)
26 Hündinnen kastriert (und behandelt) – darunter 2 Pyometra, ein Fall mit Verklebungen und mehrere „Spezialfälle“
25 Rüden kastriert (und behandelt) – darunter ein Kryptorchide
6 Eselhengste kastriert (inkl. Zähne schleifen und Spülung Tränenkanäle)
- Dazu kommen unter anderem
o viele Nachbehandlungen
o viele Spezialfälle
o unzählige Blutabnahmen bei Hunden und Katzen
o die intensive Versorgung verbissener Hunde
o viele Gespräche (mit Tierhaltern und Tierschützern)
o die Weiterbildung eines weiteren ägyptischen Tierarztes
o die Versorgung diverser ehemaliger Arbeitsesel (Untersuch, Hufe, Zähne, Tränenkanäle, Parasitenbehandlung, Tollwutimpfungen)
o die Untersuchung und Behandlung vieler verschiedener Tiere (inkl. impfen, entwurmen, Pilz-Behandlung, Wunden ausscheren etc.)
o die Bergung und Euthanasie einer angefahrenen Strassenhündin neben der „Autobahn“
o die Euthanasie eines Esels mit gebrochenem Bein
o die Erstellung von Power-Point-Präsentationen und Check-Listen für die Ausbildung des Tierheim-Tierarztes
Die junge tiermedizinische Praxisassistentin Karin Hedinger blickt mit Stolz auf die geleistete Einsatzwoche zurück: „Dies war mein erster Ausland-Einsatz im Tierschutz. Es ist bewundernswert, wie Monique Carrera das schwierige Tierschutzthema hier vor Ort anpackt und mitten in der Wüste ein Tierheim aufgebaut hat. Ich war erstaunt, wie professionell dieses Tierschutzprojekt hier in Ägypten aufgebaut ist: Es geht stetig vorwärts und wird immer grösser und besser. Es ist sinnvoll, direkt vor Ort Strassenhunde zu kastrieren und zu behandeln. So wird das Tierschutz-Problem an der Wurzel gepackt und gelöst. Natürlich erwischen wir nicht alle Strassenhunde, aber wir geben unser Bestes und konnten in dieser Arbeitswoche viel leisten.“
Einsatzorganisatorin und Tierschützerin Susy Utzinger hat bereits mehrere Einsätze im Bluemoon Animal Center in Hurghada organisiert und durchgeführt und ist glücklich über die Fortschritte, die hier am Roten Meer gemacht werden: „Durch den Einfluss der Touristen ist hier in Hurghada eine völlig neue Tierschutz-Situation entstanden. Es ist dringend nötig, zu handeln! Im Bluemoon Animal Center geht man feinfühlig, angepasst und unermüdlich auf diese Lage ein: Heimatlose Tiere finden hier im Tierheim Unterschlupf und artgerechte Pflege, Strassentiere werden behandelt und kastriert, Touristen und die Bevölkerung werden informiert. Hier wird wichtige Pionierarbeit geleistet und ein wertvoller Grundstein für die Tierschutzarbeit in dieser Region gelegt!“
Danksagung
Dieser Tierschutz-Einsatz wurde ermöglicht durch den freiwilligen Einsatz folgender Fachpersonen:
- Tierschützerin Susy Utzinger
- Tierärztin Katharina Staub
- Tierärztin Janina Werner
- Tierärztin Dr. Michelle Jackson
- Dipl. tiermedizinische Praxisassistentin Karin Hedinger
Diese Fachpersonen wurden für den Tierschutz-Einsatz in Ägypten grosszügigerweise freigestellt von:
- Kleintierpraxis ACR, Dr. G. Ehrismann, Winterthur – Tierärztin Janina Werner
- Pferdeklinik Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich, Prof. J. Auer – Dr. Michelle Jackson
- Kleintierpraxis Rhenus, Dr. M. Trächsel, Flurlingen (SH) – TPA Karin Hedinger
Zusätzlich wurde dieser Tierschutz-Einsatz unterstützt durch
- Provet AG, Lyssach: Materialspende von 50 Tuben Energel für Hunde und Katzen sowie 12 Schachteln Profender für Katzen
- Aesculap AG, Tuttlingen: Materialspende von Fadenmaterial und Stapler für die Operationen
- Windtravel: Reduktion der Reisekosten:
- Edelweiss Air: 10 Kg Charity-Gepäck konnten kostenlos mitgeführt werden
Dankesschreiben aus Ägypten
"Wir konnten so viel bewirken in den letzten Jahren. Auch eben durch die Hilfe von Dir, Susy. Du weisst selber wie ich angefangen habe: Mit ein paar Tieren zu Hause und dann etwas angemietet. Und nun haben wir ein Grundstück mit Platz und sind dabei die Tierklinik zu bauen. Und dass wir da stehen wo wir jetzt sind, verdanken wir ganz sicher Euren Einsätzen hier vor Ort.
Wir werden weiter Hilfe brauchen, da ich als Laie mit einem Herz für Tiere und starkem Willen, einfach nicht die Fachkraft bin um alles allein zu bewerkstelligen
Ich würde es schade finden, wenn Ihr keine Auslandeinsätze mehr machen würdet. Uns und unserem Projekt haben diese Einsätze sehr viel gebracht.
Tierheimberatung: Angefangen bei der Beratung, wie man ein Tierheim führt und gestaltet: Da hast du mir am Anfang und auch jetzt noch ganz tolle Hinweise und Ratschläge gegeben. Ich kam mir nicht so alleine vor, hätte sonst vielleicht aufgegeben.
Tierärzteausbildung: Auch die Tierärzte, die wir durch Euch ausbilden konnten, helfen viel weiter: Dadurch hatten wir den ersten Tierarzt in Hurghada, der kastrieren konnte ohne das die Hälfte seiner Patienten gestorben ist. Die Tierärzte haben eine permanente unterstützung durch ihre Schweizer Kollegen, die hier waren: Sie können sie per E-Mail um Ratschläge fragen, was auch ich immer wieder gerne in Anspruch nehme.
Hilfs- und Kastrationseinsätze: Durch die alljährlichen SUST-Aktionen hier vor Ort wissen die Schweizer Tierärzte was wir für Probleme haben und können besser helfen. Es ist so wichtig, dass Ausländer hier etwas tun um das Bewusstsein der Menschen zu öffnen. Denn nur, wenn wir das Problem vor Ort lösen, können wir nachhaltig helfen. Und dazu brauchen wir Tierarzte, die ausbilden, die bei Untersuchungen und Behandlungen helfen und die Strassentiere kastrieren.
Materiallieferungen: Das ganze Tierschutzmaterial, das wir aus Eurer Sammlung bekommen haben, hat uns erlaubt die Gehege besser auszustatten. Einem Hund, der nur mit einem Draht angebunden war, konnten wir beispielsweise eine Leine geben. Wir können Katzen aufpäppeln, die keine Mutter mehr haben und wir haben die Möglichkeit, Menschen, die gar nichts haben und die Tiere lieben, mit Material für ihre Vierbeiner zu versorgen.
Versorgung der Tiere: Zusätzlich ist es uns möglich, die Tiere zu impfen und kastrieren. Denn nicht alle Leute, die hier Tiere haben, haben auch das Geld um für sie zu sorgen, wie wir es in Europa machen und sind dankbar um jede Hilfe.
Wir brauchen Euch: Ich kann das Ganze nicht allein tragen, somit ist Hilfe von Euch so willkommen und wird dringend gebraucht. Denn hier gibt es fast niemand der hilft.
Wir konnten so viel bewirken in den letzten Jahren. Auch eben durch die Hilfe von Dir, Susy. Du weisst selber wie ich angefangen habe: Mit ein paar Tieren zu Hause und dann etwas angemietet. Und nun haben wir ein Grundstück mit Platz und sind dabei die Tierklinik zu bauen. Und dass wir da stehen wo wir jetzt sind, verdanken wir ganz sicher Euren Einsätzen hier vor Ort.
Wir werden weiter Hilfe brauchen, da ich als Laie mit einem Herz für Tiere und starkem Willen, einfach nicht die Fachkraft bin um alles allein zu bewerkstelligen.
Also bitte: Kommt weiter und unterstützt uns! Denn nur gemeinsam können wir etwas bewirken. Lasst mich nicht allein in der Wüste stehen, denn Ihr helft nicht nur mit Material, Geld und Fachwissen: Es ist einfach toll, wenn man nicht allein ist und gibt Kraft zum weitermachen. Wir haben gemeinsam schon so viel erreicht.
Liebe Grüsse und tausend Dank für alles
Moni"
Hilfe für ägyptische Arbeitsesel: Touristen können in Ferienorten viel bewirken
Im ägyptischen Touristenort Hurghada können die Touristen einen tierischen Erfolg verbuchen: Sie regten sich über die schlecht gehaltenen und geschlagenen Arbeitsesel in den Strassen von Hurghada auf und protestierten immer wieder. Die Regierung reagiert nun tatsächlich auf diese Reklamationen und will keine Esel mehr in der Innenstadt sehen. Sie nehmen den Arbeitern, die sich mit ihren Eselkarren in die Innenstadt bewegen ganz einfach ihre Tiere weg. Die beschlagnahmten Grautiere finden einen artgerechten „Unterschlupf“ im Wüstentierheim des Bluemoon Animal Centers. Dort werden die Tiere aufgepäppelt und ihre Wunden werden versorgt.
Die unkastrierten Hengste mussten bis im letzten Dezember einzeln gehalten werden und das Tierheim kam schnell an die Grenzen seiner Esel-Einzelhaltungs-Kapazitäten. Wir haben darauf reagiert, in dem wir in unserem letzten Aus- und Weiterbildungseinsatz vor Ort (im Dezember 2009) eine Grosstierärztin in unserem Team hatten, die die Tierärzte und die Pfleger vor Ort in Eselpflege und –behandlung instruierte. Die Esel im Heim wurden in diesem Einsatz kastriert (und können somit heute in Herden gehalten werden), die Zähne wurden geschliffen, Tränenkanäle gespült etc. In Zukunft wird der ägyptische Tierheimtierarzt dies alles selbständig vornehmen können. Dies ist auch dringend nötig: Durch die neue Situation entsteht nämlich im Wüstentierheim ein Esel-Gnadenhof – und dort gibt’s jede Menge Arbeit für Fachleute, die mit diesen Tieren umzugehen wissen. Die mitgereiste Grosstierärztin Dr. Michelle Jackson konnte nach dieser harten Arbeitswoche einen erfreulichen Schluss ziehen: „Es ist wunderbar zu sehen, wie total unterschiedliche Menschen perfekt miteinander zusammen arbeiten können: Das Team vor Ort sowie das SUST-Einsatzteam harmonierte perfekt und arbeitete hart – alle haben das gleiche Ziel: Das Wohl der Tiere.“
In einem weiteren Einsatz durch unsere Stiftung (im Frühjahr 2010) ist eine Weiterbildung durch einen Schweizer Hufpfleger geplant – auch diese Arbeit könnten die Mitarbeiter des Bluemoon Animal Center danach selbständig durchführen und diese Dienstleistung kommt dann auch denjenigen Grautieren zu Gute, die noch als Arbeitsesel rund um Hurghada im Einsatz sind.