nach oben

Aus- und Weiterbildung

Aus- und Weiterbildung von Fachkräften

«Packen wir das Problem an der Wurzel» lautet der Leitsatz der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz. Neben der Optimierung von Tierheimen und Kastrationsaktionen in der Schweiz und in vielen anderen Ländern, ist die Aus- und Weiterbildung von Tierärzten und Tierschützern ein wichtiges Standbein dieser Philosophie: Die SUST-Tierärzte-Trainings sind für ihre Qualität und Effizienz bekannt.
 
Tierschützer lernen elementare Grundsätze für den Umgang und die Pflege von Tieren und für die Führung von Tierheimen, Tierärzte werden von international anerkannten Kollegen auf den neusten Stand der Kastrationstechnik gebracht und erfahren Neues und Wichtiges für die Durchführung solcher Aktionen.
 
Damit wird der Grundstein für weitere erfolgreiche Kastrationsaktionen auf dem von der SUST geforderten Qualitätsstandard gelegt: Dadurch müssen unzählige unerwünschte Jungtiere gar nicht erst geboren werden und leiden. Es ist erwiesen, dass die Überpopulation von Hunden und Katzen nur durch Kastrationsaktionen langfristig und tiergerecht eingedämmt werden kann.

Denn so passiert, was wir uns zum Ziel für unsere Tierschutzarbeit gesteckt haben: Das Problem wird an der Wurzel gepackt!

In den Bereich des Pfeilers "Aus- und Weiterbildung von Fachkräften" gehören:

- Kurse an der SUST-Akademie
- Tierärzte-Trainings in verschiedenen Ländern
- Tierschützer-Seminare in verschiedenen Ländern
- ERFA-Anlässe in der Schweiz
- Internships für Tierärzte, Studenten und TPA's in verschiedenen Ländern
- Trainee-Programm für junge Schweizer TierärztInnen von SUST und Kompanima
- persönliche Trainings von Fachleuten während SUST-Einsätzen
- Mitfinanzierung von Trainingszentren
 
Die Aktivitäten der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz werden ausschliesslich durch Spenden und Legate finanziert (keine Unterstützung durch die öffentliche Hand).

Aktivitäten

zurück

Tierärzte-Training in der Wüste Aegyptens

Einsatz aus vollem Herzen bei 50 Grad Wüstenhitze

Der Einsatz der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz im Juni 2007 war ein voller Erfolg. Im Bluemoon Animal Center in Hurghada bildete das Team der SUST Tierärzte und Tierschutz-Fachleute vor Ort aus und legte damit den Grundstein für wichtige Tierschutz-Aktionen in der Touristenregion am roten Meer.

Donnerstag, 7.6.2007

9.00 Uhr: Besammlung am Flughafen Zürich-Kloten. Mit viel zu viel Gepäck (Fachliteratur, benötigte Utensilien und Geschenke wiegen schwer) stehen wir am Flughafen Zürich. Wir alle sind gut durchgeimpft (Starrkrampf, Hepatitis und auch Tollwut) und auf die grosse Hitze vorbereitet. Wir freuen uns auf den bevorstehenden Einsatz, sind voller Tatendrang und unterhalten uns über die zu erwartenden Fälle.

17.55 Uhr: Ankunft in Hurghada, Aegypten – gleich nach der Visa-Kontrolle trennen sich unsere Wege von denen der sonnenhungrigen Touristen: Unser Gepäck wird auf einen Tierheim-Lastwagen geworfen und wir werden zum Tierheim raus gebracht. Wir könnens alle kaum erwarten, endlich die ersten einfachen Gebäude des im Aufbau begriffenen Tierschutzzenters zu sehen.

Mitten in der ägyptischen Wüste werden wir von freudigem Gebell begrüsst: Saubere, ca. 100 m2 grosse Ausläufe mit schönen Schattenplätzen, kleinen Pools zur Abkühlung und gefüllten Wassernäpfen stehen im Tierheim des Bluemoon Animal Center für heimatlose Hunde bereit. Natürlich sind bereits sämtliche Ausläufe mit Hunden besetzt.

Wunderbar, was hier im ägyptischen Ferienort Hurghada in den letzten Jahren an Tierschutzarbeit aufgebaut werden konnte. Wir sind bereits mittendrin im ägyptischen Alltag: Unter wüstensturm-ähnlichen Windböen (und bei einem wunderbaren Wüsten-Imbiss) finden Lagebesprechung, Planung der nächsten Tage und der zu behandelnden Fälle statt. Unser Fachteam wird hier schon sehnlichst erwartet – Tierbesitzer, Tierärzte und Pflegepersonal wollen gemeinsam mit uns viele Spezial-Fälle in Angriff nehmen.

Freitag, 8.6.2007

Das Hauptziel unseres diesjährigen Einsatzes wird die Aus und Weiterbildung der Fachleute vor Ort sein. Dazu ist die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz auf freiwillige Spitzenkräfte angewiesen, die ihre Zeit, ihr Fachwissen und unendlich viel Flexibilität zur Verfügung stellen. Unser Einsatzteam besteht aus vier Schweizer Fachkräften, die in dieser Woche fast rund um die Uhr alles geben werden.

Der Unterrichts-Tag beginnt früh und wird schnell gleissend heiss: Bei 50 Grad Hitze (Klimaanlage gibt’s in den bescheidenen Räumlichkeiten keine) wird ein Hundebein amputiert, Operations-Vorbereitung und Narkoseüberwachung werden unterrichtet, Kastrationen durchgeführt und unzählige vierbeinige Patienten untersucht. Es hat sich schnell herumgesprochen, dass wir wieder im Tierschutz-Center sind und viele Tierhalter drängen sich mit ihren Vierbeinern im Wohnzimmer von Moni Gad el Karem, der Gründerin und Leiterin des Bluemoon Animal Centers in Hurghada, das kurzerhand zur Wartehalle umfunktioniert wurde.

Ein Auszug aus unserem Tages-Rapport:

  • Vorbereitungen, Einrichten des Operations-Raumes, Vorbereiten des Narkose-Gerätes und der dafür nötigen Materialien.
  • Operation der Hündin „Van Gogh“: Teilamputation des rechten Vorderbeines. Nach einem Unfall wurden der Hündin die Zehen amputiert. Da sie dieses Bein danach immer wieder belastete, entstand eine nicht-heilen wollende Wunde – das Bein muss abgenommen werden.
  • Annemarie wird von unserer TPA Angelika ausgebildet in OP-Vorbereitung, Bedienung des Narkosegerätes, Narkoseüberwachung und OP-Assistenz
  • Der ägyptische Tierarzt Dr. Markos operiert mit unserem Dr. Trächsel und wird ausgebildet in Narkose, OP-Vorbereitung und Amputation.
  • Der ägyptische Tierarzt Dr. Mohammed stösst zu uns. Er hat Verspätung, weil er jeweils morgens arbeiten muss.
  • Kastration der Hündin „Caei Prinia“. Dr. Markos und Dr. Mohammed operieren mit.
  • Hündin „Lucy“ wird vorgestellt. Die Hündin steht seit mehreren Tagen mit dem hinteren rechten Bein nicht mehr ab. Sie hat 39.7 Grad Fieber. Ihre Vorgeschichte: Hatte Staupe und Demodex sowie zusätzliche Probleme mit der darauf folgenden Verabreichung von Dectomax. Die Untersuchung lässt die Vermutung einer Femurfraktur zu. Um fest zu stellen, ob tatsächlich ein Bruch vorliegt, ist ein Röntgenbild nötig. Die Hündin wird sediert und Dr. Markos geht mit Helferin Susanne und der Hündin zu einem befreundeten Human-Mediziner – dort kann er das Tier röntgen lassen. 
  • Zahnstein entfernen, Blut nehmen für Titer-Text und Mikro-Chip-Implantation bei den Katzen „Richie“ und „Samira“. Angelika instruiert Annemarie in der Zahnsteinentfernung.
  • Der 14-jährige Labrador „Pepsi“ wird zur Untersuchung gebracht. Das Tier hat Schuppen, Juckreiz und zittrige Beine.
  • Kastration kleiner weisser Rüde „Taisson“ und Blutentnahme für Titer-Bestimmung. Dr. Markus Trächsel und Dr. Werner Haas operieren zusammen mit Dr. Mohammed.
  • Kastration der Tierheim Hündin „Lucy“ (zweite Hündin, die so heisst). Ausbildung und Demonstration durch Dr. Trächsel. Teilnehmer: Die Tierärzte Beke, Mägdi, Mohammed. Narkoseüberwachung: Mohammed.
  • Die Röntgenbilder von Hündin „Lucy“ sind da – sie hat tatsächlich einen Bruch, der operiert werden muss. Das Material für diese Operation muss aus Kairo bestellt werden. Es wird wohl mehrere Tage gehen, bis diese Operation durchgeführt werden kann.
  • Untersuch und Mikro-Chip-Implantation beim Schäferwelpen „Max“durch Dr. Markus Trächsel und Dr. Beke Hoppe. Der Welpe hat an beiden Hinterläufen „Löcher“ – Verdacht auf Brandwunden.
  • Besuch im Tierheim in der Wüste draussen – Voruntersuch der am nächsten Tag zu kastrierenden Tiere

Samstag, 9.6.2007

Grossangelegte Erschiessungs- und Vergiftungsaktionen der freilaufenden Tiere, Vernachlässigung von stark beanspruchten Arbeitstieren und mangelnde Aufklärung machen gezielte und einfühlsame Tierschutzeinsätze in dieser Region schwierig, aber auch dringend nötig. Mangelnde Fachkenntnis und ungeeignete Ausrüstung erschweren Kastrationsaktionen in dieser Region.

Die Warteliste der vierbeinigen Patienten wird trotz speditiver Arbeitsweise immer länger und die Hitze immer drückender: Täglich trainieren wir mit den Tierärzten Kastrationen, Narkosen und Untersuchungen. An aufgeschnittenen Tüchern wird das Vernähen von Wunden geübt. Heute stehen zusätzlich auch Zahnstein entfernen, Blut nehmen und das Implantieren von Mikrochips auf dem Stundenplan.

Ein Auszug aus unserem Tages-Rapport:

  • Dr. Werner Haas und Susy Utzinger instruieren Dr. Mägdi von Grund auf in OP-Vorbereitung, Narkose, Kastration von Kätzinnen. Werner Haas führt mit Dr. Mägdi eine Katzenkastration durch.
  • TPA (Tiermedizinische Praxisangestellte) Angelika instruiert die beiden freiwilligen Helferinnen Betty und Philomena von Grund auf in OP-Vorbereitung, Katzen-Handling, Narkose, OP-Assistenz. Ausserdem theoretische Weiterbildung in der tiermedizinischen Praxisassistenz. Abgabe von Fach-Unterlagen zu verschiedenen Themen.
  • Die Schäferhündin „Goya“ wird kastriert. Dr. Markus Trächsel instruiert während der Operation Dr. Markosund Dr. Beke in Hündinnen-Kastration. Annemarie ist selbständig zuständig für die OP-Vorbereitung und Narkose-Überwachung.
  • Dr. Werner Haas trainiert mit Dr. Mägdi (an einem aufgeschlitzten Tuch) verschiedene Näh-Techniken.
  • Dr. Werner Haas und Dr. Mägdi kastrieren die Kätzin „Butzi“
  • Dr. Markus Trächsel, Dr. Beke und Dr. Markos kastrieren einen kryptorchiden Kater
  • Ein Tiger mit weiss wird vorgestellt, hat hinten links eine offene Wunde (am Gelenk). Es wurden Zellen entnommen – verdacht auf Tumor.
  • TPA Angelika wurde plötzlich krank (über 40 Grad Fieber) und fiel aus. Musste in Notaufnahme ins Spital El Gouna gebracht werden. Warten in der Notaufnahme bis 24 Uhr. Sie wird die nächsten Tage im Hotel bleiben müssen.

Sonntag, 10.6.2007

Während zu Hause in der Schweiz sonntägliches Ausschlafen zelebriert wird, packen wir eine grossangelegte Katzenkastrationsaktion in einem Hotel in Hurghada an. Moni Gad el Karem hat es nach Jahren endlich geschafft, die Erlaubnis zu erhalten, sich um die Miezen in dieser Hotelanlage zu kümmern. Die Hotelgäste füttern die Tiere ohne Unterbruch und die Katzen vermehren sich ständig. Zeitweise leben hier bis zu 600 Katzen. Dann nehmen die Verschmutzung, Krankheiten, Parasiten und die Belästigung der Hotelgäste durch die Katzen überhand und das Hotel lässt wieder viele Katzen „verschwinden“. Dies lässt sich nur verhindern, in dem die Hotel-Katzen kastriert werden. Dann wird sich eine gesunde und starke Population entwickeln, an der die Hotel-Gäste und das –Management Freude haben können.

Ein ganzes Heer von Tierschützern setzt sich für diese Aktion ein und arbeitet mit: Katzen einfangen, transportieren, narkotisieren, kennzeichnen, untersuchen, impfen, gegen Parasiten behandeln und kastrieren. Unser Team kann sich bereits über erste Ergebnisse dieser Schulungswoche freuen: Die Tierärzte vor Ort nehmen alle an dieser Kastrationsaktion teil und kastrieren bereits selbständig Kater und Kätzinnen.

Die Kastrationen finden im Tauchcenter des Hotels statt. Die Klimaanlage ist ausgefallen und sämtliche Tierschützer arbeiten bei ca. 50 Grad Hitze.

Montag, 11.6.2007

Heute ist der zweite Tag der Katzenkastrations-Aktion im Hotel. Natürlich können nicht sämtliche Hotel-Katzen in den zwei Tagen dieser Aktion eingefangen und kastriert werden. Der Grundstein für eine gepflegte Hotel-Katzenpopulation ist mit diesem Einsatz aber gelegt und die Aktion wird auch nach unserer Abreise weiter geführt werden.

Zusätzlich geben wir schriftliche Empfehlungen an die Hotel-Direktion ab, wie Katzen in einer Hotelanlage optimal gehalten werden können und verfassen deutsche Texte für Flugblätter auf den Hotelzimmern, in denen darum gebeten wird, die Tiere nur an den dafür bestimmten Orten zu füttern.

Nachmittags Schulung an Zentrifuge und am Mikroskop im Bluemoon Animal Center

  • Erkennung von Hautparasiten
  • Kotuntersuch auf Parasiten
  • Urinsediment
  • Kastration und Mikrochip implantieren Hündin „Losa“ (Kastration = Dr. Beke Hoppe / Assistenz = Dr. Markus Trächsel / Zuschauer = Drs. Mägdi, Markos, Amir)

Immer wieder treffen wir während dieses Einsatzes auf unsere Materialspenden aus der Schweiz. Es ist Schweizer Tierfreunden zu verdanken, dass wir während dieser Einsätze mit Material arbeiten können, das hier kaum zu kaufen ist. Katzenfallen, Transportkörbe, Futter- und Wassernäpfe, Leinen, Halsbänder, Maulkörbe, Katzenboxen für Quarantaine- und Krankenstation, Hundeflugboxen für die frisch-operierten Tiere. Sogar das wichtige Narkosegerät stammt aus dem Materiallager der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz.

Dienstag, 12.6.2007

Ein weiteres Highlight dieser Woche steht an: Auf offizielle Einladung des Gouvernments fahren wir schon frühmorgens nach Safaga (60 Km südlich von Hurghada) um mit den dortigen Tierärzten zu trainieren. Neben der Demonstration von Hunde-Kastrationen steht auch wichtige Öffentlichkeitsarbeit an: Das nationale ägyptische Fernsehen filmt unsere Aktion und macht Interviews. Sogar der Bürgermeister von Safaga lässt es sich nicht nehmen unsere Aktion zu besuchen und Gespräche über die Tierschutz-Situation vor Ort zu führen. Nach all den Anfangsschwierigkeiten, scheinen sich nun immer mehr Türen für die Tierschutzarbeit in dieser Region zu öffnen – wir sind müde, verschwitzt und unglaublich stolz.

Mittwoch, 13.6.2007

Heute wird der Beinbruch der Hündin „Lucy“ operiert. Während der ganzen Woche wurde das Material dafür zusammengetragen und organisiert. Das meiste musste aus dem fast 500 Kilometer entfernten Kairo geliefert werden, anderes Material wurde extra hergestellt und improvisiert. Es ist eine Herausforderung für unsere Tierärzte, unter den ungewohnten Bedingungen mit dem fremden Material zu operieren. Sie tragen unter ihren sterilen Mänteln ihre Operationskleidung und leiden während der über 4-stündigen Operation (die auch körperlich anstrengend ist) unglaublich unter der Wüsten-Hitze. Ein wenig Linderung bringen da die nassen Tücher, die wir im Tierkühler runterkühlen und den Operateuren von Zeit zu Zeit auf die Köpfe legen. Sieht lustig aus und wirkt.

Unser Einsatz geht zu Ende und wir bereiten so viel wie möglich für die Operationen vor, die zukünftig von den Fachleuten vor Ort selbstständig ausgeführt werden. Dazu wird heute Material eingekauft: Watte, Verbände, Spritzen, Kanülen, Infusionen, Klebeband, div. Medikamente häufen sich im Bluemoon Animal Center.

Bevor in wenigen Stunden unser Rückflug in die Schweiz ansteht, geniessen wir gemeinsam mit den TeilnehmerInnen der Weiterbildung ein gemeinsames Nachtessen. E-Mail-Adressen werden ausgetauscht: Unsere Tierärzte stehen den ägyptischen Fachleuten in Zukunft bei Fragen per Internet zur Verfügung.

Immer wieder werden wir innigst gebeten, bald wieder zu kommen und eine neue Aktion durchzuführen – ein Versprechen, das wir von Herzen gerne abgeben.

Land:
  • Ägypten
5 Säulen:
  • Soforthilfe
  • Kastrationsaktionen
  • Aus- und Weiterbildung
Tierärzte-Training in der Wüste Aegyptens